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Weihnachtsmännchen auf den Luftballons

Normalerweise würde ich anfangen, wie die Kerzen an Weihnachten brennen, wie die Familie zusammen sitzt usw. aber dieses mal möchte ich es etwas anders schreiben. Dieses Jahr möchte ich von den Weihnachtsprojekten der letzten Jahre erzählen, was passiert ist und was wir gemacht haben.

Der Anfang des Projektes war mehr als schwer und ich musste eine Sache lernen, die besonders mir schwer fällt oder früher gefallen ist:

Loslassen

Das Projekt hat angefangen, wo es noch kein Projekt dieser Art hier in der Gegend gab. Die Idee ist mir ehrlicherweise unter der Dusche gekommen:

Was wäre, wenn man, mit einem Minimum an Aufwand, Menschen einfach glücklich machen könnte. Ich dachte mir, dass man die kleinen Spielzeuge, die am Kiosk für nur 5 Pfennig bekam, dafür benutzen könnte …

Mir ging es damals um den Spaß, den man anderen bereiten könnte, ohne dass Geld eine Rolle spielt. Was daraus dann geworden ist, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.

Es hat sich Jahre lang in dieser Richtung nichts getan. Bis irgendwann einmal meine Mutter mir, am 24.12., 50 DM in die Hand drückte, und meinte, ich solle damit die letzten Geschenke kaufen gehen. Also ging ich ging mit einer Freundin einkaufen, holte spontan dafür Rosen und verschenkte diese dann auf der Straße.

Ein Jahr darauf überlegten, ein Freund und ich, wie wir diese Idee noch größer machen könnten.

Wir ließen uns von einem Fitness Studio sponsern und bekamen Rosen und Fitness Gutscheine. Da ich mit der Kommerzialisierung nichts zu tun haben wollte, schenkte ich nur die Blumen und mein Freund übernahm das mit den Gutscheinen. Aber es sollte noch besser werden … noch größer.

Das darauffolgende Jahr fingen wir dann an Plätzchen zu backen. Wir waren da eine etwas größere Gruppe von ca. 10 Leuten. Die Vorbereitungen waren total genial. Ich sagte damals immer wieder, dass es nicht meine Idee war und dass es „Gott“ ist, der das Projekt haben wollte. Ich glaubte nicht wirklich dran, sollte aber eines besseren gelehrt werden …

Als Projektleiter hatte ich „deshalb“ versagt. Ich bin neben meinem Studium zu verschiedenen Krankenhäusern oder Seniorenheimen gegangen – bei jedem haben wir eine Abfuhr bekommen. Ausreden wie: Wir brauchen ein polizeiliches Führungszeugnis von jedem und eine Gruppenbeschreibung, wer, was, wie wir sind und was wir machen. Man kannte das anscheinend nicht, dass Menschen einfach so nett sein wollen und hat die Hürden dementsprechend hoch gesetzt. Aber egal wie, wir haben keine Genehmigung bekommen – von niemandem. Deshalb lautete meine Rede am 24.12. folgendermaßen:

Danke für Euer Engagement und wir haben viel erreicht. Der Zusammenhalt war klasse, aber leider dürfen wir nicht in ein Krankenhaus die Kekse verteilen.

Kaum hatte ich aber diese Worte gesagt, kam jemand an, der sofort 2 Institutionen aus dem Nichts gezaubert hat, so dass wir den Menschen doch noch Spaß und Freunde bringen durften. Nicht ich hatte die Zügel in der Hand, sondern jemand anders. Wer an Gott glaubt, darf glauben, dass es sein Projekt ist. Wer nicht daran glaubt, kann glauben, dass es eine Energie dessen ist, was eine Gruppe schaffen kann, wenn nur das Positive das Sagen hat. Seit dem gab es viele „Zufälle“, die eigentlich nicht zu erklären sind und wo wir statistisch eigentlich keine Chance hätten.

Es gab einige Pannen während des Backens, z. B. wo eine Konditorin das erste Mal die Plätzchen verbrannt hat oder wo wir statt zu backen, die Kekse alle selber gegessen haben. Ich habe auch mal den Fehler gemacht, dass ich dachte, dass ein Paket Mehl 500g hat statt 1Kg – die Kekse waren dadurch etwas – sagen wir mal – „sandig“.

Es gab aber auch richtig schwere Rückschläge, wo geklaut wurde oder sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde. Beide Fälle wurden glücklicherweise geklärt und niemandem ist wirklich was passiert.

Demgegenüber stehen aber Aktionen, Taten, die dem Menschen ein schöneres Fest beschert oder sogar Menschenleben gerettet haben:

  • So konnte eine OP nur deshalb stattfinden, weil ein Gruppenmitglied die Sprache vom Patienten konnte und übersetzt hat.

  • Einer aus der Gruppe ist heute, soweit ich weiß, deshalb Kinderarzt geworden und hilft Heute vielen vielen Menschen.

  • Medikamente mussten in ein Krankenhaus gebracht werden und einige aus der Gruppe haben freiwillig, nach über 12 Stunden Arbeit, die Sachen ins oberste Stockwerk getragen.

  • Ein Baby, das wenig Kontakt zu seinen Eltern hatte, weil sie es für „behindert“ gehalten haben, hat von uns eine Geschichte vorgelesen bekommen.

  • Ein Mann, dessen Familie ins Ausland gezogen ist und er beim Nachkommen erkrankt ist, und deshalb niemanden hatte, der ihn besucht hat, wurde von uns besucht – er war nicht allein.

  • Familientragödien, wo wir psychologische Unterstützung gegeben haben.

  • Menschen, die wir bei ihrem letzten Weihnachten begleitet haben und einigen den letzten Tanz auf Erden geschenkt haben.

Manchmal, beim Backen, denn nur da habe ich in letzter Zeit etwas Luft, setzte ich mich etwas weiter weg und schaue mir an, wie so viele Menschen so schön Zusammenarbeiten, um anderen eine Freude zu machen. Im Stillen denke ich mir immer, wissen die Leute gerade eben, dass sie Helden sind? Ich meine es im Ernst, wissen die das? Weiß ein Held, während er etwas Heldenhaftes macht, dass er gerade zum Helden wird?

So haben einzelne und auch Gruppen Arbeit geleistet, die eigentlich von einem kommerziellen Betrieb gemacht wird:

  • Wenn wir von 5 Backterminen ausgehen, jeweils 6 Stunden und sagen wir mal 5 Leuten, die im Durchschnitt mitgemacht haben, dann haben wir eine Arbeitszeit von 3000 Stunden. Dabei ist die Arbeitszeit von den Leuten nicht mitgerechnet, die für die Projektplanung verantwortlich sind, Menschen, die im Alleingang einiges an Arbeit auf sich nehmen, um in letzter Sekunde das Projekt noch zu retten, manchmal sogar auf kosten des eigenen Schlafs oder ein bisschen auf deren Gesundheit.

  • In den Krankenhäusern oder Seniorenheimen treffen wir um die 300 bis 400 Menschen. In 20 Jahren wären das etwa 8000 Menschen – oft sind es noch mehr, da wir die Freunde, Verwanden und Familien teilweise nicht mitberechnen können.

  • Bei 15 Plätzchen im Durchschnitt (Ja, ich weiß, ich sage immer, tut erst mal nur 10 Plätzchen rein, aber wer hört schon auf mich ;) ) in einem Tütchen, sind es 120.000 Plätzchen. Die Plätzchen, die aus versehen kaputt gegangen oder auf mysteriöse Art verschwunden sind, nicht mitgerechnet.

  • Die jüngste Person, die mitgegangen ist, war 1 Jahr alt, die Älteste 88.

  • Die Person, die die weiteste Anreise hatte, kam aus Amerika, USA.

Das Projekt hat seit der Idee aber einen Wandel erlebt, zum Großteil aber ist es so geblieben, wie es angedacht war.

So gab es anfangs Listen, wo man sich eintragen konnte – aber eine gute Freundin von mir gab mir den Tipp, dass man Liebe nicht auf Papier halten sollte. Seit dem ist meine Arbeit nicht weniger geworden, aber die Menschen kommen, weil das Herz sie dazu aufruft, nicht weil sie müssen oder irgendwo unterschrieben haben.

Geld spielt von Anfang an keine Rolle – ist aber wegen einem Vorfall zu einem Hauptpunkt geworden, dass wir es nicht annehmen. Mein ehemaliger Dekan hat von der Aktion gehört und wollte uns 10.000 Euro spenden. Wir sollten nur in einem Pressetermin das bestätigen. Ja, ich hätte viel Geld machen können, aber darum geht es nicht. Ich habe ihm stattdessen angeboten, dass er kostenlos mitkommen könnte. Später bekam ich mit, dass er für einen Bürgermeister Amt kandidierte. Dafür wird das Projekt nicht missbraucht.

Deshalb gibt es eine weitere Regel: Man darf gerne über uns in Medien berichten, aber nicht direkt (Namen oder ähnliches) und keine Bilder von Personen. Wer mitmachen möchte, darf mitmachen, nicht damit er in die Zeitung kommt, sondern damit er anderen Hilft. Leider hat das auch mal dazu geführt, dass man sich gestritten hat, diese Regel bleibt aber trotzdem – Es geht nicht darum, dass sich Menschen groß machen, sondern darum, dass Liebe geschenkt wird. Um nicht in Konflikt zu kommen, wird es kategorisch und von vornherein ausgeschlossen. (Gerade in den Zeiten des Internets)

Es hat sich aber auch eine Sache verändert, die leider nicht so toll ist:

Ich habe BurnOut bekommen und kann leider nicht mehr so mithelfen, wie ich es früher gemacht habe. Auch hier trotze ich aber meiner Krankheit, um der Gruppe willen und den Menschen, den wir begegnen ein schönes Erlebnis, einen schönen Feiertag und Liebe zu schenken.

Wenn ich darüber nachdenke, was alles passiert ist, so kommen mir die Tränen und ich bin gerührt von den Menschen, denn die schaffen es jedes Jahr Menschen dazu zu bringen, dass es ihnen in einer elenden Situation trotzdem noch gut geht.

Ihr seid Superhelden für mich, dafür möchte ich mich bedanken.

Lieben Gruß,
Der Weihnachtsmann.

PS.: Lustige oder schöne Sprüche, die während des Projektes gefallen sind:

  • „Ich als Weihnachtsmann kenne mich mit dem neumodischen Dingern nicht aus. Die Bimmeln und man kann reinsprechen – von Nikuma oder Siemas oder wie Dinger heißen …“ Dann klingelte das Handy in der eigenen Tasche.

  • Ein Kind zeigte auf einen Mann von uns, der als Tannenbaum verkleidet war. Er fragte auf Englisch, als was er sich sich verkleidet hat. Der Weihnachtsmann mit seinen guten Englischkenntnissen antwortete: „You know who I am?“ „Yes, you‘re Santa Claus!“ „And this?“ „This is Rudolph!“ „And this ist the Christmas Tree. You can see it on his balls!“ (Übersetzt: „Weißt Du wer ich bin?“ „Ja, Du bist der Weihnachtsmann!“ „Und er?“ „Das ist Rudolf, das Rentier!“ „Und das ist der Weihnachtsbaum. Du kannst es an seinen Christbaumkugeln/Hoden sehen!“)

  • Ein absolut verspäteter Weihnachtsmann rannte die Treppen hoch von einem Seniorenheim. Außer Atem versuchte er so „altdeutsch“ und vornehm auszudrücken, wie es ihm möglich war: „Hohoho! Frohe Weihnachten! Entschuldigt meine Verspätung … wie ich aber sehe, sind einige von uns gegangen …“

  • Ein Kind einmal zu einem, der sich als Grinch verkleidet hat:
    „Warum ist dem Weihnachtsmann denn übel?“

  • „Der Weihnachtsmann kann alle Sprachen … immerhin ist er ja auf der ganzen Welt“ gab der Weihnachtsmann an. Jemand antwortete auf Kölsch, das er nicht verstanden hat. Der Knecht Ruprecht darauf: „Er kann zwar alle Sprachen, aber der Weihnachtsmann ist alt geworden und kann nicht mehr so gut hören“

  • Der Weihnachtsmann fragt, ob ein Pfleger, der sehr groß und sehr gut gebaut war, nett war. Die Leute meinten, dass er nicht nett sei. Also befahl der Weihnachtsmann dem Ruprecht, dass er ihn bestrafen sollte. Der Ruprecht ging zu dem hin, schaute leicht ängstlich nach oben und meinte: „Nö, der sieht eigentlich ganz nett aus. Ich glaube nicht, dass er böse ist.“

  • In der Krebsstation waren zwei Mädchen … nach dem Gespräch sagte die eine zur anderen: „Zum Glück bist Du nicht nach Hause gegangen, sonst hättest Du den Weihnachtsmann nicht gesehen und so eine schöne Zeit gehabt haben.“

  • Ein Mann schlug seinen Kopf gegen ein Auto. Der Weihnachtsmann ging vorsichtig zu ihm hin und wollte fragen, ob er helfen könne. Die Leute verneinten und meinten, dass das Kind es nicht überstanden hätte. Eineinhalb Jahre später, also im Sommer, erzählte der Weihnachtsmann im Bus diese Geschichte – warum weiß er selbst nicht. Ein junger Mann fragte, wann dies genau gewesen sei, denn er hätte genau an dem Tag Dienst gehabt. „An dem Tag hatten wir tatsächlich eine Operation, wahrscheinlich habe ich Euch deshalb nicht gesehen. Das Kind ist tatsächlich gestorben, aber wir haben es wiederbelebt und es lebt, nach unserem Kenntnisstand immer noch“.

  • „Hohoho – Frohe Weihnachten!“

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